Worum geht es genau?

Seit dem 1. Januar 2026 ist es in der Schweiz möglich, lokal produzierten Solarstrom direkt unter Nachbarn derselben Gemeinde zu verkaufen und zu kaufen, über das öffentliche Verteilnetz. Das ist das Prinzip der Lokalen Elektrizitätsgemeinschaft (LEG). Dieses neue Instrument geht auf das Stromgesetz (den «Mantelerlass») zurück, das am 9. Juni 2024 von 68,7 % der Stimmenden angenommen wurde und dessen zweites Verordnungspaket Anfang 2026 in Kraft trat.

Konkret vereint eine LEG Produzenten (zum Beispiel Eigentümerinnen mit Photovoltaikanlagen), Verbraucher, darunter auch Mieterinnen und Mieter ohne eigene Anlage, und allenfalls Betreiber von Batteriespeichern. Sie teilen sich den Solarstrom über das bestehende Netz, zu einem internen Preis, der für beide Seiten attraktiv ist. Genau das ist die Neuerung gegenüber den bisherigen Modellen: Das öffentliche Netz darf endlich für diesen lokalen Austausch genutzt werden.

LEG, ZEV, vZEV: Welches Modell für welche Situation?

Drei Modelle existieren inzwischen nebeneinander, und es lohnt sich, sie klar zu unterscheiden:

ZEV (seit 2018) vZEV (seit 2025) LEG (seit 2026)
Perimeter Ein gemeinsamer Netzanschlusspunkt (Gebäude, Parzelle) Benachbarte Gebäude, über bestehende Anschlussleitungen Ganzes Quartier oder ganze Gemeinde, über das öffentliche Netz
Infrastruktur Private Verkabelung nötig Smart Meter des VNB, keine eigenen Leitungen Smart Meter des VNB
Netzentgelte Keine auf dem geteilten Strom Keine auf dem geteilten Strom Rabatt von 40 % (gleicher Transformator) oder 20 % (gleiche Unterstation)
Mindestproduktion 10 % der Anschlussleistung 10 % der Anschlussleistung 5 % der Anschlussleistung
Ideal für Einen Neubau oder ein kompaktes Stockwerkeigentum Einige zusammenhängende Gebäude Verstreute Nachbarn im Quartier, Gemeinden, Mieter ohne eigenes Solardach

Die LEG bedeutet also einen Massstabssprung: Sie öffnet das Energieteilen für Nachbarn, die sich physisch nie hätten verbinden können. Im Gegenzug sind die Bedingungen präzise: gleiche Gemeinde, gleicher Verteilnetzbetreiber (VNB), gleiche Netzebene, ein Smart Meter für jeden Teilnehmenden (der VNB muss ihn auf Anfrage innert 3 Monaten kostenlos installieren) sowie eine Produktion von mindestens 5 % der Anschlussleistung der Mitglieder.

Und genau hier zeigt sich die erste Hürde: Woher wissen Sie, ob Ihr Nachbar am selben Transformator angeschlossen ist wie Sie? Diese Topologie-Information liegt beim VNB und ist nicht immer einfach erhältlich. Einige Deutschschweizer Netzbetreiber wie EKZ publizieren inzwischen Online-Karten. Celium geht einen Schritt weiter: Unsere interaktive Karte der LEG-Zonen deckt bereits die Gebiete der BKW (Berner Seeland, Emmental, Berner Jura), der EKZ (Kanton Zürich), von Primeo Netz (Baselland, Solothurn), der WWZ (Zug) und der St.Galler Stadtwerke ab und wird laufend um weitere VNB erweitert. Mit wenigen Klicks sehen Sie Ihre 40 %- oder 20 %-Zone und die potenziell kompatiblen Nachbarn. Für noch nicht abgedeckte VNB kann Celium die Topologie-Anfrage in Ihrem Namen einreichen.

Erste Bilanz: Die Deutschschweiz gibt das Tempo vor

Die ersten aussagekräftigen Zahlen wurden für den Sommer 2026 erwartet. Sie liegen nun vor, und sie zeichnen ein deutliches Bild: Die Deutschschweiz führt. Gemäss Daten des Bundesamts für Energie (BFE) und der LEG-Hub-Plattform von Swisspower wurden schweizweit bereits mehrere hundert LEG gegründet, und die urbanen Deutschschweizer Zentren dominieren klar. Winterthur ist mit 155 aktiven LEG die nationale Hochburg, gefolgt von Zürich (130 über das ewz-Portal gegründete LEG) und Bern (28 aktive LEG bei der BKW, rund hundert weitere in Vorbereitung). In der Romandie und in Basel verläuft die Entwicklung laut BFE dagegen «langsamer».

Warum dieser Vorsprung? Drei Faktoren werden immer wieder genannt: der weiter fortgeschrittene Smart-Meter-Rollout in der Deutschschweiz, die früh lancierten digitalen Portale einzelner Stadtwerke, und eine aktive Community aus Energiestädten, Genossenschaften und Plattformen, die das Thema von Anfang an vorangetrieben hat.

Der Erfolg ist allerdings ungleich verteilt: Er konzentriert sich stark auf Städte mit eigenem Portal. Wer ausserhalb dieser Gebiete wohnt, steht oft vor denselben Fragen wie überall: Wie finde ich kompatible Nachbarn? Wer übernimmt die Administration? Genau hier setzt Celium an: Sie hinterlegen Ihr Profil in zwei Minuten, Celium prüft die gesetzlichen Kriterien (Zone, 5-%-Schwelle, VNB) und benachrichtigt Sie, sobald sich eine tragfähige Gruppe abzeichnet.

Winterthur, Zürich, Escholzmatt: konkrete Erfahrungswerte

Am Schweizer Photovoltaik-Kongress Ende März 2026 präsentierte das Planungsbüro Planair eine Studie zu 14 LEG unterschiedlicher Grösse, mit 9 bis 800 Gebäuden.

Zürich setzt auf digitale Einfachheit, um insbesondere die Mieterinnen und Mieter an Bord zu holen: Rund 800 potenzielle LEG wurden auf dem Stadtgebiet identifiziert, mit dem Ziel von 250 aktiven Gemeinschaften bis Ende 2026. Produzenten erhalten bei ewz 14 statt 12 Rp./kWh, ein gezielter Anreiz zur Teilnahme. Das Modell zeigt: Wenn der Beitritt so einfach ist wie ein Online-Abo, kommen die Leute.

Winterthur beweist, dass auch mittelgrosse Städte zur LEG-Hochburg werden können: 155 aktive Gemeinschaften, mehr als in jeder anderen Schweizer Stadt. Die dichte Bebauung mit vielen Gebäuden am selben Transformator schafft ideale Voraussetzungen für den vollen 40-%-Rabatt.

Escholzmatt-Marbach (LU), eine ländliche Berggemeinde, zeigt dagegen die Grenzen des Modells: Der Strom fliesst dort über zwei Netzebenen, der Rabatt sinkt auf 20 %, und die Einsparungen bleiben bei rund 1'000 CHF pro Jahr. Zum Vergleich: Die Waadtländer Gemeinde Ollon, deren Strom auf einer einzigen Netzebene bleibt, spart rund 19'000 CHF jährlich und steigerte ihren Eigenverbrauchsanteil von 15 auf 66 %. Die Lehre daraus ist eindeutig, und wir wiederholen sie bei jedem Projekt: Je länger der Strom auf einer einzigen Netzebene bleibt, desto rentabler die LEG. Deshalb gehört die Topologie-Prüfung an den Anfang des Projekts, nicht ans Ende.

Ein Ökosystem formiert sich, und das ist gut so

Der Markt für LEG-Begleitung organisiert sich rasch, und die Vielfalt der Akteure ist eine gute Nachricht für alle Projektträger.

Auf Verbandsseite haben Swissolar und der VSE die Plattform lokalerstrom.ch lanciert, mit einem juristisch geprüften Mustervertrag, einem Wirtschaftlichkeitsrechner und einem Verzeichnis von Abrechnungsdienstleistern: ein ausgezeichneter Einstieg, um den Rahmen zu verstehen. Auf Seiten der Netzbetreiber haben viele ein eigenes Angebot entwickelt: ewz mit seinem Portal, Swisspower mit dem LEG-Hub für die Stadtwerke-Allianz, die BKW mit ihrer LEG-Begleitung, EKZ mit Topologie-Karten. Dazu kommen spezialisierte Abrechnungsdienstleister, die bisher vor allem ZEV betreut haben.

Wo steht Celium in dieser Landschaft? Auf einer bewusst anderen Position: als von den Netzbetreibern unabhängige Plattform, die den gesamten Lebenszyklus einer LEG abdeckt, vom ersten Matching bis zur automatisierten Abrechnung (Verteilung im 15-Minuten-Takt, Schweizer QR-Rechnungen, Zahlungsverfolgung), mit einem Geschäftsmodell, das auf die Interessen der Mitglieder ausgerichtet ist: kein Abo, keine Fixkosten, sondern eine Beteiligung am geschaffenen Mehrwert (40 % an die Produzenten, 40 % an die Verbraucher, 20 % an Celium). Kein Mehrwert, keine Vergütung. Und für Gemeinden, Verwaltungen und Stockwerkeigentümergemeinschaften, die bereits eine LEG haben, aber deren Administration nicht selbst tragen wollen, bietet Celium eine vollständige delegierte Betriebsführung an.

Diese Vielfalt an Akteuren (Verbände, Netzbetreiber, unabhängige Plattformen) zieht den ganzen Markt nach oben. Unsere Überzeugung: Das LEG-Modell wird dann richtig abheben, wenn die konkreten Frustrationen der ersten Mitglieder ernst genommen werden: Nachbarn finden, die eigene Zone verstehen, nicht zur Buchhalterin der eigenen Gemeinschaft werden.

Die Hürden: ein Netzrabatt, der vielen zu tief ist

Die wichtigste Debatte dieses ersten Halbjahres dreht sich um die Höhe des Rabatts. Das Gesetz erlaubt bis zu 60 %, der Bundesrat hat jedoch 40 % festgelegt (und 20 % bei Wechsel der Spannungsebene). Swissolar setzt sich dafür ein, den Rabatt auf das gesetzliche Maximum anzuheben, weil der heutige Vorteil teilweise vom administrativen Aufwand aufgezehrt werde, und verweist auf Österreich, wo ein Rabatt von über 50 % nötig war, um das Modell wirklich attraktiv zu machen.

Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit: die Umverteilung der Netzkosten. Der Rabatt für LEG-Mitglieder reduziert die Einnahmen des VNB, nicht aber dessen Kosten; die Differenz wird auf alle Verbraucher überwälzt, was den Netztarif für Nicht-Mitglieder leicht verteuern könnte.

Das Thema ist auch in Bern angekommen: In der Frühjahrssession 2026 hat der Nationalrat eine Motion von Nationalrätin Barbara Schaffner (GLP/ZH) angenommen, die LEG über mehrere Netzebenen hinweg ermöglichen will, was den Stromhandel zwischen KMU und Haushalten öffnen würde. Das Geschäft muss noch in den Ständerat. Wir bleiben in den nächsten Ausgaben dran.

Lohnt sich der Einstieg?

Ja, wenn Ihre Situation passt. Die LEG ist besonders interessant für Quartiere, Stockwerkeigentum, Mehrfamilienhäuser und Gemeinden mit mehreren Solardächern, gerade jetzt, wo die Rückliefervergütungen der Netzbetreiber schweizweit stark gesunken sind. Wer seinen Überschuss an die Nachbarn verkauft (rund 12 Rp./kWh in einer typischen LEG) statt an den Netzbetreiber, gibt jeder Solarkilowattstunde wieder einen Wert; die Verbraucher sparen ihrerseits rund 20 % auf dem Strom aus der Gemeinschaft. Je tiefer die Rückliefervergütung fällt, desto klarer wird die LEG zur naheliegenden Option.

Vor dem Start sind drei Prüfungen unerlässlich: die Topologie Ihres Netzes (40 %- oder 20 %-Zone), die Berechtigung aller Teilnehmenden und die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Projekts. Das vollständige Vorgehen zeigt unser Leitfaden LEG gründen in 6 Schritten. Der Online-Simulator von Celium liefert Ihnen in 30 Sekunden eine personalisierte Schätzung auf Basis der Referenztarife Ihres VNB, unverbindlich.

Fazit

Sechs Monate nach dem Start bestätigen die LEG ihr Potenzial: Sie werten lokalen Solarstrom auf, erhöhen den kollektiven Eigenverbrauch und schaffen Verbundenheit im Quartier, alles ohne grosse Investitionen. Die Deutschschweiz gibt das Tempo vor, mit Winterthur, Zürich und Bern an der Spitze. Jetzt geht es darum, den Erfolg der Städte in die Agglomerationen und aufs Land zu tragen. Bei Celium sind wir überzeugt: Das ist eine Frage der richtigen Werkzeuge und der richtigen Begleitung.

Wichtigste Quellen: BFE, Swissolar, VSE, ElCom, Pronovo, BKW, ewz, EKZ, Swisspower (LEG-Hub), Plattform lokalerstrom.ch, Planair-Studie (Photovoltaik-Kongress 2026). Die genannten Beträge und Prozentwerte sind Richtwerte; sie hängen von der jeweiligen Situation und vom jeweiligen VNB ab.